Unser Tagebuch

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Mit wunderbaren Hunden ...

... bereichert durch's Leben.

Idyllisch anmutendes Grauen

WeiterbildungPosted by Barbara Dehn Mar 30, 2012 11:40PM
Während meines Bayernaufenthalts nutzte ich die Chance, mir endlich auch einmal die KZ-Gedenkstätte in Dachau anzusehen.

Es ist schon erstaunlich, wie manche Menschen dort Süßigkeiten knabbernd und Softdrinks schlürfen über das Gelände schlappen. Noch erstaunlicher ist, wie idyllisch eine solche Stätte des Grauens über 60 Jahre später an einem sonnigen Frühlingstag wirken kann. Doch wenn man sich den Räumen und ihren Ausstellungen öffnet, ist es damit schnell vorbei.

Für mich war es das zweite Mal, daß ich eine solche Gedenkstätte besuchte, doch anders als in Bergen-Belsen ist in Dachau deutlich mehr "zu sehen", d.h., es sind Barracken erhalten, man kann den Bunker und die Gebäude, durch die die ankommenden Häftlinge in einer entwürdigen Aufnahmeprozedur geschleust wurden, besichtigen und nicht zuletzt muß man, um das Gelände zu betreten, durch das berüchtigte Tor mit der Inschrift "Arbeit macht frei" gehen. Allein das war für mich ein bedrückendes Gefühl, die Enge dort steht in krassestem Gegensatz zur Weite des riesigen Appellplatzes, auf dem damals die Häftlinge bis auf's Blut gequält wurden.

Ich stand dort in der Sonne und ließ mich von den Eindrücken, kombiniert mit dem Wissen, das ich mir ja vorher angelesen und in zahllosen Gesprächen mit Zeitzeugen erworben hatte, überwältigen. Und dachte immer wieder, wie furchtbar es ist für die Erinnerung, dafür, sie wachhalten zu können, um die Wiederholung solchen Grauens verhindern zu können, ist, daß die Menschen, die diesen Horror erlebt haben, mittlerweile fast alle tot sind. Nur noch wenige können aus erster Hand berichten, und so wird es denen, die leugnen, immer leichter, auch andere von der Lüge zu überzeugen.

Vielleicht ist das ein Grund mit, aus dem ich hier, in einem Forum, das thematisch eigentlich nichts oder nur wenig mit dem Nationalsozialismus und seinen Gräueltaten zu tun hat, über mein Erleben berichte. Einfach, um die Erinnerung wach- und das Wissen darum, wie wichtig es ist, nicht zu vergessen, am Leben, im Bewußtsein möglichst vieler, zu halten.

Letztlich stand ich in Dachau ja genauso wie oft, wenn es um die Schicksale unserer Hunde geht, vor einer zentralen Frage: Gibt es so etwas wie "das Böse"? Wenn ja, was ist das? Wie wird ein Mensch zu einer solchen Bestie, wie es die SS-Schergen, die hier Menschen folterten und in den Tod trieben, waren? Und wie weit sind die, die heute Menschen und eben auch Tiere quälen, von ihnen entfernt? Und wie weit sind die, die damals nicht sahen, nichts hörten, nichts wußten und die, die heute nichts sehen, nichts hören, nichts wissen, wiederum von den direkten Tätern entfernt? Was kann, was muß man tun, um das eine und das andere zu verhindern?

Ich glaube, in erster Linie kann und muß man sich stellen. Der Erinnerung genauso, wie der Realität. Das heißt nicht, daß man sich jedes noch so grausame Bild anschauen, jeden Horror gesehen haben muß. Es heißt aber, nicht die Augen zu verschließen und vor allem, nicht zu schweigen. Es heißt, dazu beizutragen, daß Lehrpläne in Schulen sich nicht nur mit dem Nationalsozialismus befassen, sondern auch Schüler mündig machen, sie zu zivilem Ungehorsam ermutigen, wenn er denn nötig ist. Und eben nicht dazu, colatrinkenderweise auf Mahnmalen rumzulümmeln und den Verstorbenen und ihrem Andenken keinen Respekt mehr zu erweisen.

Für mich ist ein Ort für Dachau in erster Linie ein Ort der Würde, ein Ort der Demut vor den Schicksalen der Opfer und ein Ort der Erinnerung auch daran, wie gut es uns letztlich, trotz aller individuellen Sorgen im Alltag, geht, wie frei wir bei aller berechtigten Kritik, in der Relation dann doch leben dürfen. Ich denke, daß auch das ein Gut ist, das wir hochhalten, für das wir eintreten sollten, ja eintreten müssen. Und so ist Dachau nicht nur ein Ort des Nichtvergessens, sondern auch ein Ort der Besinnung auf zentrale Werte. Und damit ein guter Grund, von einem solchen Besuch zu erzählen und zu ermutigen, sich nicht nur mit dem Thema Nationalsozialismus immer wieder auseinanderzusetzen.

Wer mag, findet hier https://picasaweb.google.com/10795126557...feat=directlink eine Reihe von Bildern, die ich im Rahmen des Besuches gemacht habe. Unter anderem beeindruckte mich, daß in einer so kleinen Barracke, wie sie zu sehen ist, gegen Kriegsende fast 2000 Menschen zusammengepfercht waren. Besonders bedrückend jedoch war der Besuch des sogenannten Bunkers, dessen Zellen man zumindest durch die Türen anschauen kann und in dessen fester Ausstellung man parallel zu dem, was man sieht, die Stimmen derer hören kann, die einen "Aufenthalt" in dieser äußerlich so unscheinbaren Hölle überlebt haben.

Es dauerte, nachdem ich das Gelände wieder verlassen hatte, eine ganze Weile, bis ich mich wieder gefangen hatte, einige der Bilder werden wohl auf Dauer in mir lebendig bleiben. Und ich glaube, das is auch gut so.

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Fortbildung at its worst

WeiterbildungPosted by Barbara Dehn Nov 13, 2010 02:07AM
Am 6. und 7. November waren die Jungs und ich in Hamburg. Ich hatte mich zu einem Unterordnungs- und Schutzdienst-Seminar angemeldet, das von zwei Mitgliedern des unter Hundesportlern durchaus bekannten "Team Heuwinkl" geleitet wurde, aus dem u.a. auch der amtierende FCI (Fédération Cynologique Internationale = die Weltorganisation der Kynologie) Weltmeister Peter Scherk stammt.

Ich hatte mir, als Athos bei mir einzog, vorgenommen, ein wenig zu recherchieren, ich wollte und will herausfinden, mit welchen Methoden welcher Ausbilder welche Erfolge erzielt und natürlich, inwieweit im VPG-Sport (VPG = Vielseitigkeitsprüfung für Gebrauchshunde, bestehend aus drei Sparten, einmal der Fährtenarbeit, dann der Unterordnung und schließlich dem Schutzdienst) nun tatsächlich mit Mitteln gearbeitet wird, die Schubladendenker und Vorurteilsbehaftete ihm regelmäßig zuordnen.

Ich weiß von der Polizei hier in NRW schon lange, daß die nicht zivilen Schutzhunde geclickert werden, doch hat der Diensthund-Bereich mit dem des Hundesports eben auch vergleichsweise wenig zu tun.

Daß weder im Rahmen der einen, noch der anderen Aufgabenstellung Starkzwang eingesetzt werden muß, beweist der Umgang mit den Diensthunden wie ich ihn immer wieder erlebe sowie Seppls Beutearbeit am Ärmel, die wir mit Hilfe eines Polizeihundetrainers nicht als Arbeit, sondern als Belohnung aufgebaut haben und einsetzen können.

Natürlich wollte ich den Profis im Hundesport ebenfalls einmal auf die Finger schauen und fuhr am frühen Samstagmorgen nach Hamburg, um Horst und Michaela Knoche im Training mit Hunden zu erleben, die im VPG-Bereich geführt werden oder geführt werden sollen.

Um es vorweg zu sagen: Was ich erlebte war DIE Anti-Werbung für den VPG-Sport schlechthin, wobei es mir nicht um eine generelle Verurteilung von Schutzdienst und Unterordnung auf Hundeplätzen geht, sondern einzig darum, was dieses eine Seminar an Erfahrungswerten mitbrachte.

Was ich sah, bevor ich das Seminar bereits am ersten von zwei Tagen verließ, war allerdings nicht einmal die Arbeit mit Hunden im Schutzdienst, sondern "nur" die in der Unterordnung. Ich erlebte das Training von zwei Welpen und einem Junghund, und ich gebe zu, danach reichte es hier, ich hatte den Kaffee auf und zwar restlos.

Ich sah an diesem Samstagvormittag unglaublich viele bildschöne Hunde, die jeder für sich absolut meinem Beuteschema entsprachen, einfach, weil fast nur Malinois und Deutsche Schäferhunde mitgebracht worden waren.

Was ich nicht sah, waren Freude in der gemeinsamen Arbeit mit dem Hund, waren Kontakte der Hunde untereinander.

Was ich sah waren: Stachler zuhauf, Schlegel-Schlingen (dünne, garottenähnliche Schlingen, die hoch am Hals des Hundes angelegt werden und als aversive Maßnahmen direkt hinter den Ohren zugeschnürt werden) einige und sogar Erziehungsgeschirre (Geschirre, bei denen zwischen beiden Vorderläufen und in diesem Fall auch zwischen beiden Oberschenkeln dünne Leinen verlaufen, die bei Zug in die Weichteile des Hundes einschneiden und entsprechende Schmerzen verursachen), diese an ein paar Malis.

Bis auf zwei Schäferhunde, die ein sehr fitter älterer Herr so um die Mitte 60 dabei hatte, waren alle Hunde, die in den diversen Autos oder Hängern warteten, entsprechend "ausstaffiert", besagter Herr erklärte mir auf Nachfrage, er halte von diesem Humbug nichts und trainiere daher auch mit einem privaten Trainer und nicht in einem Schäferhundverein und auch nicht à la Heuwinkl, was immer er darunter verstand, dachte ich zu diesem Zeitpunkt.

Ich erfuhr es mit dem zweiten Hund, der auf dem Platz gearbeitet wurde, zunächst nur im Ansatz.

Es ging darum, einem Welpen beizubringen, daß er Blickkontakt zum Hundeführer aufnehmen muß, um an Futter zu kommen, daß sein Mensch (oder der Trainer, der gerade mit ihm arbeitet) in der Hand hält.

Horst und Michaela Knoche moderierten abwechselnd via Mikrophon, während der jeweils andere mit dem jeweiligen Hund und seinem Halter arbeitete. Zu Beginn war ich noch erfreut, oft fiel das Wort "loben", auch der Satz "schau doch hin, los, bestätige, los belohne" war ständig zu hören.

Doch dann folgte das andere Wort, der andere Satz und zwar, als es eigentlcih der Halter war, der dafür kritisiert wurde, daß ER seinem Hund nicht genügend Information darüber gab, was gerade gewollt war: "Ich würde ihm mal einen Babystachler aufziehen." Ich traute meinen Ohren nicht. Es war keinerlei Rede davon, daß der Hund die ganze Zeit seine Mitarbeit anbot und anbot und wieder anbot und nur der Mensch nicht schnallte, was ER hätte tun müssen, es wurde hier offen ein Stachler propagiert, für einen 16 Wochen alten Hund, der noch nicht einmal im Ansatz genug Gelegenheit gehabt hatte, positiv und über Marker-Signale und passende Belohnungen zu lernen.

Gut, dachte ich, vielleicht ist es ein Unfall, ein Versehen - ich habe keine Ahnung, jedenfalls wollte ich bleiben und schauen, ob die Sache Methode hatte oder eben nicht.

Bei den Haltern hatte sie es, das wurde während des Mittagessens leider extrem augenfällig. Während ich mit meinem Mali sicher offline an meiner Seite und fröhlich mit mir arbeitend die Anhänger und PKW, in deren Boxen die Hunde auf ihre Einsätze warteten, passierte, erlebte ich den Einsatz aller o.g. "Erziehungshilfen", aber keinen Clicker, kein Lob, kein Leckerchen. Es war, da bin ich ganz ehrlich, kein schöner Anblick und natürlich schmerzte es mich als "malifizierter" ganz besonders, einfach, weil ich weiß, wieviel Hunde anbieten können und wollen, wenn man sie nur ein bißchen motiviert und "mitnimmt".

Nun, ich nutzte die Chance zum Trainieren, aber auch Vorführen, Athos wurde geclickert, Seppl wurde geclickert, Ilias wurde geclickert und vor allem der in Artgenossenbegegnungen an der Leine durchaus heikle Ben wurde geclickert. Vorbei an dem Getöse und an den auf so furchtbar engem Raum in Leinen hängenden Artgenossen. Ohne Leinenruck, ohne irgendwelche "Einwirkungen", ohne laute Stimme, nur mit Clicker und leisem Lob und ein paar wenigen Leckerchen marschierte meine Burschenschaft durch die Gegend - ich war wirklich stolz auf die Jungs.

Wobei es mir hier nicht um Eigenlob geht. Und auch nicht um das Zeigen mit Fingern auf andere. Nur darum, daß und warum ich das, was ich hier sah, als so furchtbar bedrückend und unheimlich traurig empfand.

Nach der Pause ging ich auf den Platz zurück. Von links himmelte mich ein wunderschönes Schäfimädel mit strahlenden Augen an, natürlich fragte ich, ob sie ein Leckerchen haben dürfe. Zur Antwort kam ein "Nein" vom Frauchen, mit der Begründung, sie müsse eh schon so um die Aufmerksamkeit ihres Hundes kämpfen, da wolle sie nicht noch künstlich Konkurrenz erzeugen. Ich konnte es nicht fassen: Die Lütte war neun Monate alt und TOTAL offen für alles und jeden. Vier oder fünf Clicks, und sie hätte ihr Frauchen angestarrt, wann immer wie lange auch immer sie es gewollt hätte.

Und dann war sie dran. Im wahrsten Sinne des Wortes. Immer noch standen über 30 Zuschauer um die Übungsfläche herum. Über Mikro moderierte ein Trainer und um das Mensch-Hund-Team herum lief des Trainers Frau, die versuchte, der Halterin zu erklären, wie man beim Junghund Blickkontakt festigt. Frauchen hatte den Hund am Kettenhalsband, nicht auf Zug und clickerte. Ganz fein, bei jedem Blick ein Click und ein Leckerchen. Nur, daß sie sehr hölzern stand, weil sie gleichzeitig hören und handeln mußte und mit der eigenen Unsicherheit, die sie in der Körpersprache nun einmal transportierte, natürlich den Hund ansteckte.

Und wieder geschah es: Die Trainerin erklärt für alle vernehmlich, daß die Hündin gar nicht wissen KANN, was eigentlich gewollt ist, weil Frauchen es nicht klar sendet. Um dann zu sagen, nee, bestätige mal immer, clickere schön, aber füttere nicht jedesmal, der Hund soll verunsichert werden, nicht wissen, wann tatsächlich Futter kommt und wann halt nicht. Das wäre vielleicht noch in Ordnung gewesen, doch daß die Hündin sich auf den einen Click dann NICHT zucken, sondern weiter Blickkontakt halten sollte, auf den anderen jedoch das Futter folgen durfte, der den Blickkontakt schon per Definition unterbrach, auf gar keinen Fall. Daß der Hund für diese Unterbrechung, die mal erlaubt sein sollte, mal nicht, auch noch geruckt werden sollte, ließ mir zum ersten Mal den Mund offenstehen. Ich hätte schreien wollen: "Und was genau bestätigt dann der Click dann? Was soll er dem Hund sagen? Was soll der Hund mit dieser Idiotie lernen?"

Und dann kam er erneut, der Satz: "Ich würde da jetzt auch mal 'nen Stachel drauftun, der Hund arbeitet ja nur, wie er lustig ist und wann er Lust hat."


Ich war fassungslos. Geht's noch? Der Hund ist neun Monate alt, kriegt KEINE klaren Infos, steht vor einer Horde Zuhörer und unter eine Ablenkung, unter der schon manch ausgebildeter Hund "zuckt" und ist jetzt der, der bestraft wird? WOFÜR?

Frauchen sagte dann sogar, nee, sie hätte keinen Stachler mit und wolle das eigentlich auch gar nicht, aber sie hatte leider weder eine Chance, noch den Mumm, sich nicht überrollen zu lassen. Trainers Frau holte den Stachler und legte ihn an, das noch mit der Frechheit, dem Frauchen zu sagen, die solle jetzt schön clickern, dann würde der Hund den Stachler positiv verbinden.

Ganz, ganz ehrlich: Ich hätte den Stachler wegreißen und der Trainerin aufsetzen wollen, die diesen gesammelten lerntheoretischen Blödsinn auf dem Rücken des Hundes austrug, der hier höchstwahrscheinlich den Beginn seines kaputt gemacht Werdens erlebte. Diese Hündin war so offen, so frei, so anbietend, man hätte es nur nutzen müssen. Statt dessen kommt Schmerz drauf, ausgeübt von einem Halter, der nicht einmal positiv vernünftig arbeiten kann.

Ich stand da und ... ging. Ich konnte es nicht verhindern, aber wollte und konnte es mir auch nicht mit ansehen. Nur als die Halterin vom Platz kam, sprach ich sie an. Wenigstens das, wenigstens EINE gegenläufige Meinung wollte ich ihr sagen. Ich erklärte, ich wolle sie nicht kritisieren, sondern ihr nur sagen, daß sie eine tolle Hündin hätte, die wirklich keinen Stachler brauche. Die anbiete, die man nur etwas clickern müsse. Sie entgegnete, ja, aber die Hündin mache doch wirklich nur, wenn sie Lust hätte, worauf ich sagte, schau, sie hatte eine Ablenkung, die extrem war, ich wette, wenn Du das ruhig mit zuverlässig Futter clickerst, dann schaut die Dich morgen minutenlang an, wenn's sein muß.

Ich weiß nicht, ob wirklich was ankam. Ich kann es nur hoffen.

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