Unser Tagebuch

Unser Tagebuch

Mit wunderbaren Hunden ...

... bereichert durch's Leben.

1. Todestag

PechmariePosted by Barbara Dehn Oct 11, 2013 08:43PM
In dem Wissen, daß Athos am 10.10. seit genau einem Jahr tot war, ist mir das Herz etwas schwer. Es bewahrheitet sich zwar, daß die schönen Erinnerungen ihn weiterleben lassen, doch lassen sie mich ihn besonders an einem solchen Tag auch besonders vermissen. Er fehlt mir, mein Mali-Bub, da beißt die Maus keinen Faden ab. Noch immer denke ich oft an ihn, schaue Bilder und Videos an und frage mich, warum er so früh gehen mußte, hätte er doch, nach allem, was er in der Zeit vor der bei mir durchmachen mußte, noch soviel Glück verdient gehabt.

Denn was ich über ihn wußte, als er kam und was ich selbst im Laufe der Zeit herausfand, steht für eine über fünfjährige Odyssee, die sein "erstes Leben" darstellte, steht für sehr viele sehr schlechte Erfahrungen mit der Spezies Mensch, die sich vor allem zu Beginn auch in Athos' Verhalten mir gegenüber widerspiegelten.

Wollte man ihn anfassen, knurrte er fast ständig, nicht nur die ersten Wochen, sondern die ersten Monate und das, obwohl er die körperliche Nähe, das Schmusen und Streicheln gleichzeitig so sehr suchte und genoß. Was muß, dachte ich oft, einem Hund widerfahren, wenn ihn Zuwendung in solche Konflikte stürzen kann?

Denn bei allem war Athos eigentlich ein menschenfreundlicher Hund. Je länger er bei mir war, desto offener konnte er werden, und desto klarer konnte er zeigen, wie gerne er auf Menschen zuging, mit ihnen spielte, von ihnen Leckerchen und eben auch Krauleinheiten schnorrte.

Nur Kinder, die lernte er nicht mehr zu lieben. Er lernte, sie zu akzeptieren. Er lernte, sich an mich zu wenden, nein, an mich zu lehnen, wenn sie in der Nähe waren, nachdem er sie, am Tag, als ich ihn im bayrischen Oberthulba von seinem Pflegefrauchen Bettina und seiner ehemaligen Gassigängerin Christa übernahm, noch mehr als böse, wirklich verzweifelt, angeknurrt hatte.

Seine Ablehnung, sein Haß, seine Angst - sie hatten reale Gründe. War der Bub doch von seiner Familie, die ihn als Welpe schon bei sich aufgenommen hatte, alles andere als gut behandelt worden und hatten die Kinder der Familie ihn gegängelt und gehänselt und letztlich dafür gesorgt, daß er im Tierheim landete. Bis zu acht Stunden täglich sperrte man ihn in eine enge Flugbox, auf der die Kids rumtobten und in der sie ihn, den Ungeschützten, Ausgelieferten, ärgerten. Er, typisch Mali, fand irgendwann seine Chance und schnappte nach einem seiner Peiniger - was sein Schicksal besiegelte und ihn vom Regen in die Traufe brachte.

Athos kam ins Münchner Tierheim, wo er sich wie eine Bestie gebährdete. Es war reine Hilflosigkeit, die ihn trieb, doch erkannt wurde das von den Menschen dort nicht. Er wurde stigmatisiert, als Beißer abgestempelt, und nur Christa, sein guter Geist, sah seinen wahren Charakter, führte ihn aus, spielte mit ihm, gab ihm ein ganz kleines Stück Vertrauen zurück.

Letzten Endes war sie es auch, die ihn erlöste, die seine Not sah und in aus dem Tierheim nahm und in eine Pension brachte, in der sich Bettina dann so gut und so oft sie konnte, kümmerte. Athos gewann eine weitere menschliche und zwei hundliche Freundinnen, nur ein Zuhause wollte sich für ihn lange nicht finden.

Bis eine durchgeknallte, maliverrückte Westfälin sich meldete und erklärte, sie wolle den Buben kennenlernen und mal eben in ihre aus drei Rüden bestehende Hundegruppe integrieren. Klar, im Vermittlungstext hatte ja gestanden: Mit Hündinnen verträglich, mit Rüden nach Sympathie. Gut nur, daß mir keine der beiden Damen vor Übernahme verriet, daß letzteres nur gut geraten war, weil man Athos nie mit Rüden zusammengebracht hatte.

Umso erstaunlicher, daß der souveräne Prachtkerl am Ende nicht nur mit meinen drei bereits bei mir lebenden Kerlen, vor allem mit dem großen, alten Herrn Ben, verträglich war, sondern auch sonst nie auch nur mit einem einzigen Hund je irgendein Problem hatte. Menschen, ja, die waren oft gruselig und man tat gut, wenn man sich an Frauchens Rockzipfel hängte, aber Artgenossen - nein, die waren in Ordnung, ob groß, ob klein, ob Männlein oder Weiblein, und immer war Athos einer, an den die anderen sich gerne anschlossen und dessen einzigartige Souveränität sie sofort erkannten und respektierten.

Ich schätze mich überhaupt glücklich, diesen wunderbaren, unverwechselbaren Hund an meiner Seite gehabt zu haben, ihm noch ein paar seiner negativen Verknüpfungen und ein großes Trauma nehmen zu dürfen, bevor ich ihn gehen lassen mußte.

Denn neben dem, was ich aus seiner Vergangenheit bei Übernahme durch Christa und Bettina erfuhr, die es wiederum von TH-Mitarbeitern hatten, denen die Athos abgebenden Menschen ein paar Informationen gaben, erzählte auch er selbst mir eine ganze Menge über das, was er hatte durchmachen müssen.

Ich weiß noch, als ich schauen wollte, ob der Bub, der einen Beutetrieb sondergleichen sein eigen nannte, auch Freude am sportlichen Schutzdienst haben würde. Da stand der Peter mit dem Ärmel vor diesem so charakterstarken, souveränen Hund, der plötzlich schier in sich zusammenfiel und massivstes Meideverhalten zeigte. Selbst der erfahrene Diensthundeausbilder war damit schockiert und erklärte, dieser Hund müsse schlimmste Gewalterfahrungen haben, um so zu reagieren, er wollte ihn sogar nicht einmal im Schutzdienst ausbilden, um ihm böse Erinnerungen nicht zuzumuten. Ich jedoch wollte sie relativieren, Athos die Freude an etwas, das ihm doch so klar im Blut lag, wiedergeben.

Und so wurde aus diesem Mali ein Hund, der am Ende seines Lebens einer genialer, höchst freudig arbeitender und freier Schutzhund war, ausgebildet ohne JEDE Form aversiver Einwirkungen, was soweit ging, daß er einmal, im Rahmen eines Schutzdienst-Seminars, der einzige Hund dort war, der ohne Stachler (und natürlich auch ohne Tacker), der ohne Leine, einen absolut genialen Schutzdienst hinlegte und so bewies, daß "es" eben doch geht, wenn man nur sorgfältig und ruhig und mit Clicker und Belohnung arbeitet.

Überhaupt war mein Malibub ein Vorzeigehund. Er lief eine tolle Unterordnung, wir waren ein Team, ich kann bis heute nicht beschreiben, wie es sich anfühlte, wenn er sich an mich preßte und wir wie eine Einheit immer und überall Fußgehen konnten und bewundernde Blicke ernteten.

Er war einer, der einzig aggressiv reagierte, wenn man ihm wehtat oder sichtbar wehtun wollte. Ich sehe ihn noch vor mir, als unser Peter mal einen Leinenruck setzen wollte, ja, DEN Blick hättet Ihr sehen sollen, der Peter veranlaßte, zu sagen, daß er diesen Konflikt nicht gehen wolle, wenn, müsse ich es tun. Und ich, ich wollte nicht, schon gar nichts, was Athos nicht wollte. ;-)

Athos, er lernte nicht nur das Trauma Hundeplatz und Schutzdienst zu überwinden, er lernte vor allem, sich einzulassen. Auf diese positive Form der Arbeit, auf das Spiel mit dem Helfer, auf die Sucharbeit, die er konzentriert wie kein zweiter, den ich kenne, durchführte und beherrschte, auf mich, auf eine unglaubliche Innigkeit, die ihn nicht nur in mein Bett, sondern auch ganz eng in meine Arme führte, etwas, das ihm anfangs so überhaupt nicht geheuer war.

Athos er war einfach eine Persönlichkeit, einer, der selbst, als sein Ellenbogengelenk dann brach, als unendliche Operationen und Behandlungen nötig waren, immer noch liebend an meiner Seite war, der mich, kaum aus der Narkose aufgewacht, jedesmal fröhlich begrüßte, der mir täglich, stündlich, minütlich zeigte, daß er zu mir gehörte, zu mir und seiner Hundefamilie.

Ich glaube, das ist es auch, was mich bei aller Trauer am meisten tröstet, daß Athos all dieses Glück erleben, leben, nehmen und geben durfte, daß er bis zur letzten Sekunde warm, geborgen und geliebt war, daß er noch so vieles nachholen konnte, was man ihm vorenthalten oder gar ausgetrieben hatte.

Daß heute Lupa hier neben mir liegt, ist ebenfalls sein Verdienst. Denn als er in meinen Armen am 10. Oktober 2012 einschlief, konnte ich gar nicht anders, als ihm zu versprechen, daß ein anderer Mali in Not den Platz bekommen würde, den er jetzt frei machte, und ich hielt mein Versprechen, als ich in Lupas Augen die seinen wiederfand. Es mag "Aberglaube" sein, und doch bin ich fest überzeugt: Athos schickte Lupa zu mir, er zeigte sich in ihr. Genauso fest bin ich überzeugt, daß mein einzigartiger Malibub jetzt im Regenbogenland fröhlich und vor allem schmerzfrei umherspringt, und ich hoffe, daß unsere Hunde irgendwann ein gutes Wort für uns einlegen werden, damit wir sie dort, hinter dem Regenbogen, wiedertreffen können.

Athos, mein Sternenbub, ich denke an Dich, und ich werde Dich nie vergessen. Danke, daß Du bei mir warst, auch wenn es viel, viel zu kurz war.



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In loving memory, Athos

PechmariePosted by Barbara Dehn Oct 10, 2012 09:45PM

Heute mittag mußte ich meinen geliebten Malinois, meinen belgischen Seelengefährten über die Regenbogenbrücke entsenden.

Auf dem Weg zur Physiotherapie sollten die Jungs noch einen Spaziergang machen. Als ich Athos aus dem Auto hob, jaulte er beim Aufkommen auf den Boden furchtbar auf, und als ich das Gelenk des rechten Ellenbogens sah, wußte ich, daß nach dem linken nun auch das rechte gebrochen war. Ich untersuchte ihn kurz, hörte es böse knacken, obwohl ich kaum berührt hatte, und Athos wimmerte leise. Ich wußte schon da, was am Ende Realität wurde: Ich würde nur noch eins für ihn tun können, ihn erlösen.

Wir fuhren in die Praxis unserer Tierärztin. Schon, als sie ihn untersucht hatte, ahnte auch sie nichts Gutes. Die Röntgenbilder bestätigten es: Nachdem das linke Ellenbogengelenk vertikal gebrochen gewesen war, war nun das rechte horizontal und vollständig durchtrennt. Es gab keinerlei Knochenverbindung mehr zwischen oben und unten.

Selbst, wenn man versucht hätte, zu operieren, wären die Chancen auf Heilung denkbar schlecht gewesen. Während der gesamten langen Rekonvaleszenz hätte er auf dem schon kaputten und auch nicht ausgeheilten linken Bein laufen müssen. Weitere Arthrosen wären unvermeidlich gewesen, denn nach solchen Eingriffen treten sie immer auf, zu 100 Prozent.

Es gab meinem Herzen nach nur eine Entscheidung im Sinne meines Freundes, meines Kameraden: ihn nicht wieder aus der Sedierung aufwachen zu lassen. Ich fragte unsere Tierärztin nach ihrer Meinung. Sie erklärte, es gäbe keine andere richtige Entscheidung. So vertiefte sie die Narkose, legte die Spritze in den Katheter. Ich bat, diese letzte Hilfe meinem zweiten Seelenhund nach Ben selbst geben zu dürfen. Ich tat es dann, nahm ihn danach wieder in meine Arme und sprach mit ihm, während seine Seele entwich, ich sah, wie seine Augen starr wurden.

Ich dankte Athos für die wunderbare Zeit mit ihm, und versprach ihm, wenn er mir einen Nachfolger schickt, einem anderen Belgier in Not ein Heim zu geben, wenn es soweit ist, wenn mich einer findet, der meine Hilfe und die der Jungs benötigt. Und ich weiß, daß Athos genau das wollen würde.

Ich bin mir auch sicher, daß mein Bub irgendetwas ahnte. In der vergangenen Nacht lag er nicht wie sonst kuschelnd neben mir. Er lag auf mir, den Kopf auf meiner Brust und wollte gekrault werden. Fünf Stunden lang. Er ließ mich nicht schlafen. Immer, wenn ich aufhörte, stupste er mich an und verlangte, daß ich weitermachte.

Mein geliebter Malibub, ich werde Dich nie, nie vergessen. Ich bin Dir dankbar, daß Du mir Dein Vertrauen und Deine Liebe, Deine Hingabe und Kooperation geschenkt hast. Und ich bin dankbar dafür, daß ich Dir, nachdem Du soviele Jahre so schlechte Erfahrungen sammeln mußtest, noch ein paar schöne Jahre an der Seite Deiner Hundekumpels und an der meinen geben durfte.

Ich vermisse Dich so unglaublich. Für das, was ich heute gefühlt habe und jetzt empfinde, gibt es keinerlei Worte, nichts Angemessenes, nichts, was den Schmerz und die Leere, die in mir sind, beschreiben könnte.

Es war ein Gottesgeschenk, Dich bei mir gehabt zu haben, und ich weiß, Du schaust jetzt "von da oben" zu und bist frei und endlich, endlich wieder ohne Schmerzen.

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Tumor und Beule

PechmariePosted by Barbara Dehn Mar 30, 2012 11:02PM
Jetzt ist es amtlich: Die pathologische Untersuchung ergab, daß die am 6. März 2012 entfernte "Umfangsvermehrung" letztlich doch ein bösartiger Tumor war. Offenbar gibt es hier jedoch verschiedene Gefährlichkeitsgrade, und das, was Athos unter der Achsel weggenommen wurde, gehört zum Glück zu den harmloseren Krebsvarianten. "Stufe 1" sagt die schriftliche Diagnose, in der auch zu lesen ist, daß unsere Tierärztin das Gebilde tatsächlich großzügig genug ausschnitt, so daß die Wundränder schon krebsfrei waren. Streuungen sind unter normalen Umständen entsprechend nicht zu erwarten.

Fazit: Gut, daß ich der ersten Biopsie allein nicht vertraute und das "Ding" entfernen ließ. Damit hat Athos nun beste Chancen, wieder krebsfrei durch's Leben zu gehen.

In Sachen "Beule am Ellenbogen" ließ mir die zunehmende Verdickung der Stelle keine Ruhe. Ich stellte Athos dem Tierarzt in Ahlen sicherheitshalber doch noch vor. Er schaffte es dann auch, das Gebilde zu punktieren, die Analyse der Fachkollegin ergab: " Zur Untersuchung gelangten 2 mit DiffQuick gefärbte Objektträger: Zellbild: degenerierte neutrophile Granulozyten, Erythrozyten. Befundung: eitrig seröse Flüssigkeit , keine Erreger sichtbar."

Auf gut Deutsch: Es liegt eine lokale Entzündung vor, von der letztlich niemand weiß, woher sie genau kommt.

Der Rat des behandelnden Arztes war entsprechend unspezifisch. Wir könnten, so sagte er, entweder eine große OP mit Drainage und Entfernung aller Implantate durchführen. Allerdings war das definitiv nicht seine Lieblingsvariante, denn eine Gewähr, daß das nicht "verschlimmbessern" würde, gäbe es nicht. Die andere Möglichkeit sei: abwarten.

Da das nun nicht gerade meine größte Stärke ist, ich gerne etwas tue, ohne jedoch mit Kanonen nach Spatzen zu schießen (was eine OP meiner Meinung nach wäre), schlug ich vor, sicherheitshalber Antibiotika gegen die Entzündung zu geben.

Der TA hatte diese Idee zwar auch gehabt, aber nicht geäußert, weil er sich zu unsicher gewesen war. Nun aber zog er ganz gerne mit, vor allem, nachdem ich meine Meinung begründet hatte, nicht zum ersten Mal übrigens. Anscheinend hält er meine Intuition für nicht allzu schlecht, und ich habe gelernt, ihr vertrauen zu können. Entsprechend bekommt Athos seit etwas über zwei Wochen wieder Amoxycyclin, und die Beule wurde tatsächlich -wenn auch mit leichter Verzögerung- wieder kleiner.

Mittlerweile ist sie, obwohl Athos wieder freiläuft, beinahe weg, offenbar haben wir die Entzündung in den Griff bekommen.

Eine Anekdote am Rande: Monsieur Ungeduld nahm den Tierärzten einmal mehr die Arbeit des Fädenziehens ab. Leider war er damit zwei Tage zu früh, was mir einen kleinen Vortrag zum Thema "primäre und sekundäre Wundheilung" einbrachte und die Frage aufwarf, wie um alles in der Welt Athos es überhaupt geschafft hat, an die Nähte ranzukommen, hatte er doch brav Kragen getragen und ich ihn nicht ein einziges Mal dabei erwischt, "geknabbert" zu haben.

Fakt ist: Der Bursche läßt wirklich nichts aus, um meine Nerven zu stählen. Ob nun mit solchen oder ähnlichen Aktionen. Wofür er, im Umkehrschluß, wie man sehen kann, jedoch auch stets dafür sorgt, daß ich keinesfalls ungeküßt ins Bett gehen muß. ;-)

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Ein Riesenschreck

PechmariePosted by Barbara Dehn Mar 30, 2012 09:03PM
Einen Riesenschreck jagte er mir ein, der Mali. Am Ellenbogen innen hatte sich Anfang März eine Schwellung gebildet, die beständig größer wurde. Die Detmolder Physiotherapeutin meinte, das sei doch ein ziemliches Ei und meinte wie ich auch, daß es besser wäre, den TA zu konsultieren. Also rief ich in Ahlen an und bekam den Rat, sicherheitshalber punktieren zu lassen. Und weil Ben wegen einer Umfangsvermehrung am Auge eh unter's Messer sollte, bat ich unsere Haustierärztin -in Absprache mit dem behandelnden Ahlener Kollegen- sich die Sache anzuschauen.

Als sie die Delle sah, meinte sie, da sei nichts zu punktieren, die Erhebung sei zu hart dafür. Sie riet dringend dazu, zu röntgen. Also legten wir Athos schlafen und hatten zeitweilig zwei narkotisierte Hunde neben uns liegen - sehr zur Belustigung der Mitarbeiter, die unser "Reihenumlegen" grinsend kommentierten.

Unsere Tierärztin konnte auf den Röntgenbildern nichts erkennen, das die Schwellung erklärt hätte. Auch für mich sah alles normal aus. Also: Ab nach Ahlen mit den Bildern, gegen 13 Uhr waren sie dort. Und es begann eine quälende Zeit des Wartens, denn erst um 21 Uhr ( auch Wahnsiinsarbeitszeiten, die der Ahlener TA da hat) kam der ersehnte Anruf, nachdem Dr. Winkels endlich Zeit gehabt hatte, die Aufnahmen anzuschauen.

Ich hatte eine Wahnsinnsangst, daß er irgendeine OP für nötig halten oder daß es irgendwelche Probleme gäbe. Doch der TA beruhigte mich zum Glück. Ich hatte richtig interpretiert, es gab keine Verschlimmerungen im Knochen oder Gelenk, auch die Implantate saßen brav da, wo sie hingehören. Er vermutete nun, daß wir es entweder mit einer durch einen kleinen Treppensturz oder auch nur durch den Wetterumschwung aktivierten Arthrose, die Athos ja im verletzten Gelenk hat, zu tun hatten oder mit einer durch die neuen Bewegungen im Freilauf hervorgerufenen Reizung im Fleisch, dort, wo eine der Schrauben verankert werden mußte. Der Rat: Beobachten.

Was sich ganz gut trifft, da unsere Haustierärztin, weil Athos ja nun gerade schlief, auch den Tumor in der Achsel entfernt hatte, so daß mein Mali ohnehin mal wieder Kragen tragen mußte und für 12 Tage an die Leine gefesselt war.

Die Röntgenbilder im Vergleich. Bild 1 und 2: 14. Februar 2012. Bild 3 und 4: 06. März 2012.

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Schock

PechmariePosted by Barbara Dehn Dec 26, 2011 02:33AM
Lange war das Tagebuch verwaist. Das lag daran, daß die Diagnose, die sich beim Kontrollröntgen am 16. November ergab, mich schockierte. Ich wußte eine Weile nicht, wie ich damit umgehen sollte. Erst jetzt, wo es neue Ergebnisse und mindestens ein kleines Weihnachtswunder zu vermelden gibt, mag ich darüber berichten.

Dabei hatte eigentlich alles so gut ausgesehen. Als der Tierarzt mich nach dem Röntgen holte, um die Aufnahmen durchzusprechen, teilte er mir zunächst mit, daß wir alle uns vorher bekannten Klippen tatsächlich erfolgreich umschifft hatten. Die guten Nachrichten waren: Alle Implantate waren (und sind) genau da, wo sie sein sollen. Da es auch nach über drei Wochen nach Absetzen der Antibiotika keine Anzeichen für eine Entzündung gab, war höchstwahrscheinlich, daß sie auch auf Dauer im Bein belassen werden könnten. Die Bruchstellen am Gelenk selbst waren schön und genau richtig angewachsen. Auch ein künstlich erzeugter Bruch, der nötig geworden war, damit der Chirurg das Gelenk überhaupt erreichen hatte können, war wieder korrekt zusammengefügt. Womit eigentlich alles hätte gut sein können.

Wenn nicht eins der Röntgenbilder ein riesiges schwarzes Loch innerhalb des Oberarmsknochens gezeigt hätte. Entstanden, so sagte der Tierarzt, weil er die Durchblutung hier während der OP sehr lange hatte unterbrechen müssen, zu lange, als daß der Knochen jetzt, wo alles andere gesundet war, neues Knochenmaterial gebildet hätte. Seine Prognose: Hier wird nichts mehr wachsen, möglicherweise wird sich der Zersetzungsprozeß, weil Fäulnisbakterien "totes Material" entfernten, sogar weiter fortsetzen, im schlimmsten Fall bis in den bisher noch gesunden Teil des Knochens.

Der Schock war selbst dem gestandenen Veterinär anzumerken, niemand hatte damit gerechnet, auch er nicht. Und es fiel ihm nicht leicht, mir zu sagen, daß es nun eigentlich nötig wäre, Athos sein Leben lang an der Leine zu führen, weil jeder Freilauf das Risiko des Brechens eines von ihnen ausgehöhlten Knochens bergen würde, selbst, wenn drumherum Edelstahlplatten für Halt sorgten.

Das aber war für mich keine Option. Zum einen wollte ich mich mit einem aktiven Verwesungsprozeß in einem gesunden Körper nicht abfinden. Zum anderen nicht damit, daß ein so triebstarker, lebensfroher Hund wie Athos nie wieder mit seinen Kumpels über Felder und Wiesen flitzen sollte. Litt er doch schon jetzt so sehr darunter, das nicht zu dürfen. Nein, das durfte nicht das Ende sein, zumal ja niemand sagen konnte, wie gefährlich ein von innen faulender Knochen für Athos' Organismus sein konnte.

Ich sagte also: "Nein." Und fand mit dem Tierarzt gemeinsam eine Formel. Via aggressiver Physiotherapie und Bewegungstrainings wollte ich versuchen, den Prozeß zu stoppen und wenn möglich für eine Neubildung von Knochenmaterial sorgen. Koste es, was es wolle.

Ich mußte meinem Malinois nur in die Augen schauen, um zu wissen, daß es ohnehin keine Wahl gab, daß es für IHN keine Wahl gab. Und der Tierarzt zog mit. Er half mir, Pläne zu machen, der Ahlener Physiotherapeut zog wie von selbst am gleichen Strang, niemand stellte sich oder legte mir Steine in den Weg, im Gegenteil, ich erlebte beispiellose Solidarität, die mir Mut machte. Freunde, Familie, Tierärzte - sie alle unterstützten mich, sie alle verstanden, warum ich das nicht auf sich beruhen lassen konnte. Und warum ich sagte: Wenn alle Stricke reißen, bekommt dieser Hund trotzdem Freilauf, im Notfall, bis es bricht und wir das Bein dann abnehmen müssen. Denn Athos dauerhaft angeleint zu halten, das grenzt an Tierquälerei, da waren wir uns alle einig.

Mir ging es, als nach einigen Tagen eine klare Strategie erarbeitet war, bereits entschieden besser. Ich konnte etwas tun, und das war das Wichtigste, und wenn es der Kampf gegen Windmühlen war, aber es war ein Kampf. Einer, der gut und richtig und wichtig war, der Kampf um Athos.

Eine Freundin brachte dann, als das Grundgerüst stand, mit einer weiteren Idee zusätzliche Erleichterung. Sie berichtete von sogenannten Orthesen, Schienen, die in der Humanmedizin zur Therapie kaputter Knochen und Gelenke ganz selbstverständlich eingesetzt werden. Ich kannte diese Hilfsmittel nicht, doch je schlauer ich mich machte, desto klarer wurde, daß hier eine weitere Chance für Athos lag.

Und so brach ich zum, soweit mir bekannt war, einzigen Tierorthopäden Deutschlands auf, und Athos bekam, nach Rücksprache mit seinem Tierarzt natürlich, eine hinten und vorne geschlossene Schiene, die in einem etwaigen Freilauf das Gelenk an Bewegungen hindert, es künstlich versteift, so daß ein Bruch zumindest deutlich unwahrscheinlicher werden würde als ohne eine solch schützende Hülle, wenn auch nicht unmöglich.

Natürlich mußte Athos an diese quasi künstliche Behinderung gewöhnt werden. Und was wäre dazu besser geeignet gewesen als eine positive Verknüpfung. Womit es kam, daß mein Mali zwar keinen "richtigen Freilauf" mit den anderen Jungs bekam, jedoch täglich einmal mit seiner Schiene und ohne Leine durch den hiesigen historischen Schloßpark laufen durfte und darf, was ihn zunehmend und sichtlich glücklich machte. :-)

Parallel dazu bekam und bekommt er lange Leinenspaziergänge, die dazu dienen sollen, den Knochen zu stimulieren, gleichsam zu überreden, aktiv zu werden und sich der Zersetzung entgegenzustemmen. Auch die Wassertherapie lief zweimal die Woche weiter, unter verschärften Bedingungen, mit steigenden Ansprüchen an den Hund, der alles vorbildlich meisterte, sich anvertraute, sich fallen- und vor allem helfen ließ.

Vom 16. November bis zum 23. Dezember dauerte dieser erste Teil unseres Kampfes, an diesem Tag interpretierte Athos' behandelnder Tierarzt ein neues Röntgenbild.

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Athos' Physio zeigt Erfolge

PechmariePosted by Barbara Dehn Nov 06, 2011 01:53AM
Athos' neueste Fortschritte. Er läuft jetzt schon erstaunlich sicher, im Becken können Leine und Geschirr mittlerweile auch abgemacht werden, Athos weiß, was er tun soll und himmelt den Physiotherapeuten brav an, natürlich nicht nur, weil der die leckeren Dinkel-Hundekekse in der Hand hat. ;-)

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Eine Woche "ohne"

PechmariePosted by Barbara Dehn Nov 03, 2011 02:27AM
Genau eine Woche ist Athos jetzt ohne Antibiose und ohne Schmerzmittel. Und so sah das Gangbild heute aus.

Auch in der Physiotherapie macht Athos Fortschritte. Nicht nur, daß er das Bein schön belastet und immer regelmäßiger geht, er braucht auch nicht mehr an Geschirr und Leine geführt zu werden, sondern geht freiwillig in das Becken, wo er für die Aussicht auf Leckerchen mittlerweile sehr routiniert seine Übungen absolviert.

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Neue Zeitplanung

PechmariePosted by Barbara Dehn Nov 03, 2011 02:23AM
Eigentlich sollte ja am 4. November unser Kontrollröntgen sein. Doch dann lief Athos so vorbildlich, daß unser Tierarzt eine neue Idee hatte: Wir setzen schon vorher die Antibiotika ab, damit wir an diesem Tag nicht nur röntgen, sondern, wenn sich mit dieser Absetzung eine neue Entzündung im Bein breit macht, ggf. auch die Implantate entfernen können. Immer vorausgesetzt, daß das Röntgen ergibt, daß die Knochen dafür schon weit genug zusammengewachsen sind.

Natürlich machte mir das nicht nur Angst (Erkenne ich die Anzeichen auch rechtzeitig, was, wenn ich irgendwas übersehe, was, wenn Athos Schmerzen hat und ich es nicht schnell genug merke usw.?), sondern brachte mich auch ins Grübeln.

Folgerichtig fragte ich den Tierarzt, welches denn überhaupt der "kritische Zeitraum" nach Absetzen der Antibiose sei, sprich, in welchen Zeiträumen denn mit einer Entzündung zu rechnen wäre, wenn denn eine aufträte. Seine Antwort: Ungefähr ab dem 5. Tag bis ca. zum 21. Tag ist die Gefahr besonders groß. Auch, wenn ein Risiko, wenn die Implantate über diesen "letzten" Tag hinaus drin blieben, natürlich letztlich immer bestünde, sei es nach rund drei Wochen doch unwahrscheinlich, daß "noch etwas nachkomme".

Klar, daß sich damit für mich die Frage ergab, ob ein Kontrollröntgen am 4.11. dann überhaupt so sinnvoll ist. Denn wenn das Absetzen der Antibiotika jetzt doch u.a. stattfand, um beim Röntgen, so denn eine Infektion auftrat, die Narkose, in der Athos dann liegt, eventuell zu weiterem Eingriff zu nutzen, warum es dann auf den 10. Tag legen? Was, wenn bis dahin keine Infektion auftrat, das Röntgen ergibt, daß der Knochen gut angewachsen ist, die Entzündung aber am 11. oder 12. oder sonstigen späteren Tag folgt? Dann müßte der Bub im schlimmsten Fall zwei Narkosen kurz hintereinander bekommen, wenn dann die Implantate doch raus müßten, und schon mit der letzten kam er nicht sehr gut klar. Wäre es da nicht vernünftiger, den zeitlichen Ablauf anders zu regeln?

Ich sprach das natürlich an und schlug vor, einen Fixtermin für das Röntgen auf den Endpunkt der "heißen Phase" zu legen und diesen, im Fall einer auftretender Entzündung, flexibel vorzuverlegen, um anhand des Ergebnisses, genauso wie ursprünglich für den 4.11. angedacht, dann spontan mit einer Entfernung der Implantate zu reagieren oder, wenn der Röntgenbefund nicht paßt, die Gabe der Antibiotika zu verlängern und die Implantate erst in deutlichem zeitlichem Abstand zu entfernen.

Offenbar fand der Tierarzt meine Überlegungen nicht allzu blöd, jedenfalls ist der Plan jetzt genau der: Tritt eine Entzündung auf, melde ich mich in der Klinik. Liegt der Tag auf einem Notdiensttag oder in der Nacht, gebe ich weiter Antibiotika, die ich für diesen Fall noch einmal mitbekommen habe. Sobald ich die Notfallgebühren, die ich mir für eine große OP schlicht nicht mehr leisten könnte, nicht mehr zahlen muß, wird geröngt und bei Bedarf bzw. passendem Befund Implantat entfernt. Dabei soll dann versucht werden, die Zugschraube drinzulassen, die gegen die vorerkrankten Knochen wirkt. Das wird nur dann nicht gemacht, wenn sie sich gelockert oder verschoben hat. Liegt der Tag nicht auf einem Notdiensttag oder in der Nacht, gebe ich keine Antibiotika, sondern fahre umgehend nach Ahlen, wo geröngt und mit Chance operiert wird.

Natürlich erkundigte ich mich eingehend, ob es ein Risiko gibt, wenn ich nicht auch an Notdiensttagen oder nachts eingreifen lasse, doch der Tierarzt versicherte mir, daß eine erneute Gabe von Antibiotika ausreichend sei, auch wenn er das nicht gerne hätte, weil sich das Gesamtbild verschieben könnte. Er verstand allerdings offenkundig sehr gut, warum ich an diesem Punkt einfach auf's Geld schauen MUSS, und ich bin sicher, daß er mir gesagt hätte, wenn meine Vorgaben/Bitten nicht erfüllbar oder für Athos auch nur annähernd gefährlich wären.

Genial wäre natürlich, wenn es zu keiner Infektion käme und wir am 16.11. einfach röntgen könnten. Denn das Bild wird in jedem Fall besser sein, da der Knochen bis dahin noch deutlich mehr Zeit hatte, ordentlich zu verheilen und daß ich den Buben bis dahin weiter die Treppen hoch- und runterwichtele, das nehme ich dafür dann gerne in Kauf. Zumal er ja bisher so schöne Fortschritte macht, daß sowohl Tierarzt als auch Physiotherapeut sich mit mir gemeinsam richtig freuen. Was auch der Grund ist, aus dem der Tierarzt den Zeitplan so bereitwillig änderte, einfach, weil er meint, solange Athos das Bein so schön belastet und so schön "neu laufen lernt", ist ein sofortiges Röntgen eben auch nicht wirklich nötig, auch wenn er gerne gesehen hätte, wie es jetzt "inside" aussieht.

Alles in allem bin ich mit dem Ergebnis zufrieden, ich fühle mich mit dieser Art der strukturierten, überlegten Sicherheit besser als vorher, auch, weil die verschiedenen Eventualitäten geklärt sind. Was an meinem Zittern natürlich auch nichts ändert, es aber doch ein bißchen erleichtert, würde ich sagen.

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