Unser Tagebuch

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Mit wunderbaren Hunden ...

... bereichert durch's Leben.

Vier Jahre griechisches Sonnenkind

Das tägliche GlückPosted by Barbara Dehn Mar 10, 2014 01:19AM
Es ist irre. Vier Jahre ist es schon her, daß mein griechisches Sonnen- und Sorgenkind Einzug hielt.

Ein kleiner Unfall war er, den ich eigentlich nur auf seiner Pflegestelle begutachten sollte. Als ich dann den Trainingsplan aufstellen wollte, hieß es: "Ich dachte, sie nehmen den jetzt mit."

Klar, hatte man sich doch Tage vorher schon Ersatz beschafft, einen Welpen aus Spanien. Was man natürlich der Orga, der man vorjammerte, wie schrecklich das Leben mit Flox, wie er damals noch hieß, sei, verschwiegen hatte. Und so lieblos klang es, daß ich das zarte Seelchen nicht dort lassen konnte.

Aber einen dritten Hund? Wollte ich nicht. Tapfer behauptete ich, den hübschen Burschen weitervermitteln zu wollen. Der in der Folge soviele Ängste zeigte, daß ich schnell Sorge hatte, er könne in diesem Fall aber auch leicht zum Wanderpokal werden.

Es kam, wie es kommen mußte, mein Vermieter kündigte mir. Zwei Hunde waren ok gewesen, drei waren einer zuviel. Und so landeten die Jungs und ich auf dem Bauernhof. Und Flox wurde zu Ilias und blieb.

Und machte mich wahnsinnig. Mit Aggression konnte ich umgehen. Aber mit Panik nur schwer. Ich fühlte mich sehr oft sehr hilflos, tat, was ich konnte und sah zu, wie Ilias Sofas zerfetzte, Boxen schredderte und ganz nebenbei die Sitze meines Autos zerfledderte. Der Bursche brachte mich mit seiner Lernresistenz an Grenzen, die ich gar nicht kannte und forderte mich bis auf's Blut.

Die Erfolge, die wir erzielten kamen sehr, sehr langsam. Es gab Rück-, Zwischen- und Ausfallschritte, insgesamt über Jahre ein heißes Tänzchen. Es gab mehr, was Ilias nicht konnte als was er konnte, jedenfalls gemessen an und von menschlicher Gesellschaft und an den Anforderungen meines sehr mobilen Lebens. Aber er hatte und hat eben auch so wunderbare Eigenschaften, daß ich ihm zuliebe Grenzen überschritt. Viele Grenzen und vieles fiel mir schwer.

Heute ist Ilias in punkto SDU und Bauchspeicheldrüseninsuffizienz ordentlich eingestellt. Er kann kurze genauso wie lange Strecken im Hellen wie im Dunkeln Autofahren, er rastet in Tunneln und unter Brücken oder wenn Lichter auf uns zukommen, nicht mehr aus, sondern kann entspannt bleiben. Er kann draußen fast immer Leckerchen nehmen und besonders im letzten halben Jahr konnten wir in Sachen Gehorsam und Abruf tolle Fortschritte machen. Ilias kann endlich mitarbeiten, hat endlich die seelische Freiheit hierzu. Sein Jagdtrieb ist im Griff, er ist mit anderen Hunden ein Traum und Bens bester Kumpel. Mit dem kann er streßfrei auch längere Zeit zu Hause alleinbleiben. Die meisten Knallgeräusche kann er ertragen, rennt meist nicht mehr panisch weg, sondern drückt sich an meine Seite. In Bezug auf das Gewitter hat er unbeschreibliche Sprünge gemacht, auch wenn er bei sehr nahen noch Tabletten braucht, ist er so etwas ähnliches wie entspannt, wenn ich ihn halte.

Am schönsten ist, daß er ein großer Kuschler und Bettschläfer geworden ist.

Bleiben wird er mein Jodler, mein Winnetou, mein Tarzan, wenn er in der Box warten mußte und ich wiederkomme. Ertragen kann er den Aufenthalt dort auf kurzen Strecken und im Stehen - große Erleichterungen.

Bleiben wird er mein Zirkuspferd, das einen Affentanz aufführt, wenn ich drei Minuten oder drei Stunden weg war, das ist ihm egal.

Mitgehen und -arbeiten kann er jetzt auch mal, wenn wer anders die Leine hat und ich ihn gerade mal nicht führen kann. Er staubt dann sogar Leckerchen ab.

Bleiben wird er sicher auch mein kleiner Angsthund, der besondere Nähe und Ruhe braucht.

Und bleiben wird er vor allem: mein Sonnenkind mit den Bernsteinaugen, mein Spinner, der plötzlich so größenwahnsinnig werden kann, ganze Pferdeherden hüten zu wollen, der sich selbst an einen Pepe rantraut und überhaupt mit anderen Hunden einfach spitze ist.

Bleiben wird er: ein Heldenhund, denn er ist einer, der sie kennt, die Angst und der doch den Mut nicht nur nicht verloren, sondern viel davon ganz neu erworben hat.



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