Unser Tagebuch

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Mit wunderbaren Hunden ...

... bereichert durch's Leben.

Einfach nur Herr Ben

Das tägliche GlückPosted by Barbara Dehn Jul 01, 2012 02:28AM
Am 30. Juni 2012 teilte "Onkel Ben", wie Peter ihn neuerdings liebevoll nennt, genau seit sechs Jahren Haus und Hof, Heim und Herd mit mir. Früher sagte man, ein Menschenjahr seien sieben Hundejahre. Demnach wären Ben und ich mit diesem Tag 42 Jahre verheiratet gewesen. ;-))))

Manchmal fühlt sich unser Verhältnis tatsächlich ganz genau so an: Wie eine wunderbare, über die Jahre gewachsene Ehe, in der man gemeinsam durch alle Phasen und Höhen und Tiefen ging, jedoch nie die Liebe zueinander und den Respekt voreinander verlor. Im Gegenteil, beide wuchsen und entwickelten sich, so, wie auch Mensch und Hund aneinander wuchsen und sich miteinander entwickelten.

Oh ja, unsere Sturm- und Drangzeit, die erste stürmische Liebe und die nicht weniger stürmischen ersten Meinungsverschiedenheiten am Beginn unserer Beziehung prägten uns. Wir lernten uns kennen und vor allem verstehen, wir lernten unsere Stärken und unsere Schwächen herauszufinden. Wobei Ben an mir bestimmt mehr Schwächen entdeckte als ich an ihm. :-)

Wir schlugen und vertrugen uns, doch eins, das muß ich sagen, kam mir, trotz einer Reihe von Problemen, die wir gemeinsam zu bewältigen hatten, wirklich nie in den Sinn: mich scheiden zu lassen. Ich hatte mich in Sekundenbruchteilen in diesen Kerl verguckt, als ich sein Photo das erste Mal gesehen hatte. Ich hatte der knurrenden und zähnefletschenden Flugkiste, die am Düsseldorfer Flughafen meiner geharrt hatte, von Beginn an erklärt: "Egal, was Du anstellst, Du gehörst zu mir und Du bleibst auch bei mir". Und dabei blieb es bis heute und zwar, auch wenn es vielleicht schwer zu glauben ist, von Anfang an und durch alle Zeit ohne jeden Hauch eines Zweifels.

Nach wahrlich turbulentem Anfang liefen wir jedoch irgendwann in einen ruhigeren Hafen, den des gegenseitigen Vertrauens, ein. Ben lernte, sich mir anzuvertrauen, ich lernte, darauf zu vertrauen, daß er genau das tat und nicht in alte Verhaltensmuster zurückfiel. Was mir erstaunlicherweise nie wirklich schwerfiel, warum auch immer.

Wir entwickelten mit den Monaten und Jahren Routinen, vor allem aber eine große, für mich immer noch unfaßbare Innigkeit, die ich als unglaubliches Geschenk empfinde. Ich spürte von Beginn an und mit der Zeit immer intensiver, wie mir dieser große, schwarze Seelenhund nahe kam und erlebte schließlich, wie er sich immer öfter an mich anlehnen konnte, ohne dabei jedoch je seine Eigenständigkeit und seine wunderbare Persönlichkeit aufzugeben.

Wie ich war und ist Ben kein Anpasser. Er wollte und mußte davon überzeugt werden, daß es sich lohnte, sich mir anzuvertrauen, befreite sich "nur" aus seinem seelischen Gefängnis, verbog sich jedoch nie. Es war genau so, wie ich es mir immer gewünscht hatte und auch immer wieder wünschen würde.

Ja, und dann kamen die Kinder. ;-)))

Ich hatte immer gesagt: Ben ist ein "ein-Frau-Hund". Nur, daß wir den Seppl, der damals noch Bennie hieß, aufnehmen mußten, weil der schließlich in Not war.

Erstaunlicherweise entpuppte sich mein großer Schwarzer im Zusammenleben mit dem neuen Familienmitglied schnell als ziemlich cooler, wenn auch manchmal recht autoritärer "Papa", der zusammen mit mir ein ziemlich gutes Team abgab. Jedenfalls geriet unser Erstling ganz prächtig und verlor sehr schnell seine Unsicherheit, manchmal zugunsten einer ganz schön großen Klappe. Die Ben(nie) junior allerdings nur höchst selten Ben senior gegenüber aufriß, denn wer der Chef im Ring war, stand wirklich nie in Frage.

Als einige Zeit später mit Ilias das zweite "Kind" kam, war der Herr Ben bereits ein durchaus routinierter und liebevoller Erziehungsberechtigter, der ausgesprochen klar in seiner Kommunikation und seinen Ansprüchen an den Nachwuchs war, der jedoch auch bereit war, den Kiddies zuzuschauen und von ihnen zu lernen. Er, der nie mit anderen Hunden hatte spielen können, war plötzlich u.a. in der Lage, sich auf den kleinen Griechen und dessen Albernheiten einzulassen und einfach auch mal "mitzumachen", wenn er angespielt und abgeschleckt wurde. Unser "Kind der Sonne" ist bis heute "Papas Liebling", genießt diverse Privilegien und ist nach wie vor der einzige Artgenosse, der vom Minchen auch ganz aktiv "angespielt" wird.

Das dritte Kind war letztlich nur noch Routine, mehr Mamas Wunschkind als Papas, wenn man ehrlich ist. Monsieur d'Athos, der angelegentlich pubertierend schon mal den Revoluzzer raushängen ließ, schaffte es nun auch nicht mehr, "Vaddern" aus der Ruhe zu bringen. Ben machte die eine oder andere Ansage, blieb aber stets souverän und zeigte seine Genervtheit höchstens mal dadurch, daß er im Notfall "zu Muddern" ging und sich über die ungezogene belgische Göre beschwerte, frei nach dem Motto: "Guck, was DEIN Sohn wieder angestellt hat." ;-)))

Auf die dritte, die Kinder- und Erziehungsphase folgt jetzt schon seit einiger Zeit -in aller typisch ben'schen Gelassenheit natürlich- die vierte, die des "in Ehren Ergrauens". So ganz langsam wird mein Minchen mit seinen mittlerweile fast neun Jahren (am 3. Juli ist es soweit) tatsächlich zu einem graumelierten älteren Herrn, ein Umstand, der mir sehr entgegenkommt, denn auf genau diese Art von Mann stehe ich total. ;-)

Und so ist sie immer noch und immer wieder da, die Verbundenheit zu meinem ganz besonderen Aggressionshund, dem ich so unglaublich viel verdanke. Unter anderem, daß ich heute einem Beruf nachgehe, den ich liebe, der mich glücklich macht und ausfüllt.

Ben, ich danke Dir dafür, daß Du mein Lehrmeister warst und bist, für Deine Wärme und Dein Vertrauen, für zahllose Schmusestunden, dafür, daß Du mich "Hündisch" lehrtest und dafür, daß Du mir zeigst, was er heißt, einen Hund WIRKLICH zu lieben und zu ehren.

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